15.05.2024 Story

Umweltschutz auf vier Rädern

Die Technische Universität München (TUM) hat eines der weltweit führenden Forschungsinstitute für Robotik und künstliche Intelligenz. Mit dem Synchronous Team-Robot Van – kurz SVan – wollen Prof. Dr. Sami Haddadin und sein Team den Umweltschutz vorantreiben. Unterstützt wurde das Projekt von Hyundai. 

Prof. Dr. Haddadin, der SVan ist eine mobile Einsatzstation voller Robotik und KI-Technologie. Wofür wurde das Projekt entwickelt?

Wir wollen beweisen, dass man mit fortschrittlicher Kommunikationstechnologie und KI sehr viel für den aktiven Umweltschutz bewirken kann. Der SVan ist mit Robotern ausgestattet, die zu Land, zu Wasser und in der Luft eingesetzt werden können. Die Technologie an Bord lässt sich von jedem Ort der Welt mit Internetzugang steuern. So kann man menschliche Expertise mit vernetzten Robotern und künstlicher Intelligenz multiplizieren – und eine ganze Flotte an Scouts kann losgeschickt werden, um Plastikmüll zu sammeln oder Gefahrenstellen zu lokalisieren. Der Prototyp hat für Furore gesorgt und gezeigt, dass die Zeit reif ist: Das ist keine Science-Fiction-Diskussion, das ist reale Technologie. 

Ihr Fokus liegt stark auf Umweltschutz. Woher kommt das?

Als Kind wollte ich Meeresbiologe werden – aber in Bayern haben wir keine Küste. Auf meinen verschiedenen Forschungsstationen habe ich immer wieder versucht, Unterwasserrobotik und andere Umweltprojekte anzuschieben. Die Frage der Finanzierung war jedoch nicht einfach – damals hat noch niemand Umweltschutz mit Ökonomie in Verbindung gebracht.

Ihre Partnerschaft mit Hyundai ermöglichte dann schließlich das erfolgreiche Projekt SVan. Wie entstand die Idee?

Bei einem Vortrag berichtete die kanadische Forscherin Dr. Jennifer Lavers über ihre Studien zu großen Plastikteppichen in den Weltmeeren. Ich war schockiert, dass so etwas in unserer modernen Gesellschaft passiert. Ich habe damals gefragt: Können wir nicht Roboter als Scouts zur Erkundung einsetzen – von der Lokalisierung des Plastikmülls bis hin zur Einschränkung von illegaler Hochseefischerei? Nur durch die Kombination von menschlicher Expertise und einer Vielzahl vernetzter Roboter- und KI-Systeme können wir diese gewaltige Aufgabe bewältigen. Die große Vision ist ein künstliches Immunsystem für den Planeten – ein globales Netzwerk von Maschinen, die in Echtzeit Gefahren erkennen und ohne Zeitverzögerung menschliche Expertise bündeln.

Sie sprechen sich für die Demokratisierung dieser Technologie aus. Was heißt das konkret?

Es ist wichtig, die Schwelle zu senken. Es geht darum, Robotik für alle verfügbar und zugänglich zu machen. In Zukunft soll jeder die Möglichkeit haben, die Systeme über sein Smartphone zu steuern. Robotik als Werkzeug, das ist Demokratisierung.

Der Hyundai STARIA wurde mit modernster Technik zum SVan umgebaut. Welche Anforderungen stellt Ihr Team an das Fahrzeug?

Mit einem starken Partner wie Hyundai war es möglich, den SVan mit den notwendigen technischen Fähigkeiten auszustatten. Wir konnten unser Kontrollzentrum sehr unkompliziert einbauen und das Fahrzeug dient als mobile Ladestation für die Roboter. Die Frage ist nun, wie der SVan mittelfristig auch autonom fahren kann. Daran wollen wir gemeinsam weiterarbeiten. 

Wie gestaltete sich die Partnerschaft mit Hyundai darüber hinaus?

Hyundai hat uns unglaublich unterstützt und dabei die Vision mitgetragen – und auch eine Vernetzung in die große weite Welt der Marke ermöglicht. Durch Hyundai konnten wir wertvolle Kontakte zu anderen Initiativen aufbauen, zum Beispiel zur Organisation Healthy Seas, die zurückgelassene Fischernetze aus den Ozeanen sammelt. Diese Art von Interaktion und Support brauchen wir langfristig.

Mit einem starken Partner wie Hyundai war es möglich, den SVan mit den notwendigen technischen Fähigkeiten auszustatten.

Prof. Dr. Sami Haddadin

Prof. Dr. Sami Haddadin

ist Executive Director des Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (MIRMI) an der Technischen Universität München. Zuvor war Sami Haddadin unter anderem am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) tätig. Ende 2023 stellten er und sein Team das Projekt SVan vor, das innerhalb von zwei Jahren in Kooperation mit Hyundai entwickelt wurde.

 

Text: David Lütke